Das AUS für Kata-guruma, Te-guruma und Abtauchtechniken -
die IJF plant massive Regeländerungen

Kampfrichterchef Gerhard Jungwirth im Gespräch
zu den geplanten Änderungen

20.09.2009

Vor nicht ganz einem Jahr brachte die IJF-Kampfrichterkommission mit der Abschaffuung der Koka-Wertung und der Bestrafung des Fassens an die Hose das internationale Judoreglement kräftig in Bewegung.
Was bei der Juniore-WM in Bangkok als Versuch galt, wurde mit 1. Jänner allgemeingültig eingeführt. Dazu kamen neugefasste Auslegungsvorschriften für die Mattenleiter für vieles was unter "negativ Judo" zusammengefasst wird. So nahm sich die Kampfrichterkommission der gebeugten Körperhaltung ebenso an wie verschiedenen Griffvarianten.

 

Nun rund ein Jahr später bringt die IJF bei den in 5 Wochen in Paris stattfindenden Junioren-WM neuerlich massive Regeländerungen als Test an den Start. Die geplanten Änderungen bringen einiges an Zündstoff mit sich, sind sie doch geeignet, das internationale Wettkampfgeschehen kräftig durcheinander zu bringen.

In einer Aussendung der IJF heißt es, man wolle sich vermehrt von anderen Kampf- und Ringsportarten abgrenzen.
Der Judolandesverband Salzburg sprach mit Kampfrichterchef Gerhard Jungwirth, der für uns die geplanten Regeländerungen erläutert.

 

Bei der Junioren-WM wird die IJF doch massivere Regeländerungen testen. Was genau soll geändert werden?

Gerhard Jungwirth: Neu ist, dass alle Techniken, bei denen im direkten Angriff mit einer oder beiden Händen an ein oder beide Beine gefasst wird, zukünftig verboten sein sollen.
Beim ersten Mal wird mit Shido bestraft, beim zweiten Mal mit einem direkten Hansokumake.
Die IJF hat als Richtwert die Gürtellinie festgelegt, direkte Angriffe mit der Hand darunter werden verboten.

Heißt das, dass neben den Beinfasstechniken auch Klassiker wie Kata-guruma oder etwa Te-guruma hinkünftig verboten sein werden?

Jungwirth: Im direkten Angriff auf jeden Fall, sollten die Regeln nach der Testphase übernommen werden.
Erlaubt bleiben sollen aber alle Techniken, die im Zuge von Kombinationen oder Konteraktionen ausgeführt werden.


Aber es soll ja auch noch weitere Neuerungen geben .....

Jungwirth: Ja, die IJF wird die Wettkämpfe in Paris nur noch mit einem Kampfrichter leiten, die Seitenrichter werden durch Kameras ersetzt. Der Kampfrichter ist über Funk permanent mit der Kommission verbunden, die ihn unterstützen soll.
Man muss erst sehen, wie sich diese Idee in der Praxis bewähren wird und welche Auswirkungen sie mit sich bringt. Für die nationale Ebene kann ich mir nicht vorstellen, dass sich dieses System umsetzen lässt.
Schade ist auf jeden Fall, dass die Teamarbeit auf der Matte wegfallen wird.

 

Die IJF plant auch Änderungen beim Golden Score .....

Jungwirth: Ja, bisher war es so, dass bei einer Hantei-Entscheidung am Ende einer wertungslosen Golden Scorezeit die reguläre Kampfzeit für die Entscheidungsfindung nicht berücksichtigt werden durfte. Dies soll sich ändern, bei Hantei-Entscheidungen sollen in Zukunft sowohl die reguläre Kampfzeit als auch das Golden Score bewertet werden.

Wie werden sich die Änderungen deiner Meinung nach auswirken?

Jungwirth: Das Judo wird sich auf jeden Fall gravierend ändern, der Kampfstil wird aufrechter und "klassischer" werden. Das eröffnet natürlich wieder mehr Möglichkeiten, große Eindrehtechniken zu werfen. Dies wäre durchaus sehr attraktiv. Am meisten wird diese Änderung wohl bei den leichten Gewichtsklassen auffallen.
Allerdings wissen wir von den Regeländerungen der letzten Jahre, dass man immer erst einige Zeit später wissen wird, wie sich diese auf das Judo auswirken.

Wie schätzt du die Situation ein - werden diese Änderungen nach dem Test in Paris eingeführt werden?

Jungwirth: Bisher war es so, dass praktisch alle getesteten Regeländerungen auch eingeführt wurden. Die IJF-Kommission will Dinge verändern, dies kann sie nur vor dem Beginn der Olympiaqualifikation machen. In der laufenden Qualifikation (Anm.: ab Ende April 2010) die Regeln zu verändern, wäre meiner Meinung nach für unseren Sport nicht gut.

Vielen Dank für das Gespräch.

Was wird neu?

1. Keine direkten Angriffe mit einer oder beiden Händen unterhalb der Hüfte (Gürtel).

2. In Kombinationen (als Zieltechnik) oder als Konteraktion bleiben alle Techniken erlaubt.

3. Bei großen Meisterschaften soll künftig nur noch ein Kampfrichter auf der Matte sein.

4. Bei Hantei-Entscheidungen wird nun auch die reguläre Kampfzeit berücksichtigt werden.